Mit Anlauf in die Pain Cave

Wie schon im letzten Beitrag vermutet, habe ich Floridsdorf für die 20. Bezirksumrundung auserkoren. Während für diese Runde meine ursprüngliche Routenplanung eine mehr als 43 Kilometer lange Strecke ergab, misst die Außengrenze von Floridsdorf exakterweise aber „nur“ 33,647 Kilometer. Diese recht große Diskrepanz kommt dadurch zustande, dass die Grenze durch die Donau, die Alte Donau und große Industriegebiete führt, weswegen eklatante Umwege entstehen, wenn man trotzdem alle theoretisch erreichbaren Grenzabschnitte ablaufen möchte. Vor dem Start hielt ich mir aber die Option frei, da und dort Abkürzungen zu nehmen, um auf eine schlechte Tagesform oder am Ende eventuell bereits große Ermüdung reagieren zu können.

Zunächst aber mal zum Wetter: So ein „endless summer“ ist ja durchaus nett – Mitte September kann man tagsüber immer noch mit kurzer Hose herumlaufen und Sonne macht ja so ganz generell gute Laune. Aber fürs Laufen ist das natürlich nicht ideal. Los ging es am vergangenen Freitag um kurz nach 15 Uhr bei ca. 25 Grad und mehr oder weniger wolkenlosem Himmel. Während der ersten 2 Stunden meines Laufes hat sich das auch nicht geändert und Schatten war kaum zu finden. Danach ging es in den Wald (am Bisamberg) und erst ab hier war das Laufen angenehm (hinsichtlich der äußeren Umstände), zuerst aufgrund der Beschattung im Wald, danach weil die nun schon recht tief stehende Sonne deutlich an Kraft verloren hatte. Das Resultat des spätsommerlichen Wetters waren Sturzbäche an Schweiß, die mich im Zuge des Laufes verließen.

Nun zur Strecke selbst: Mein Rad stellte ich am Ufer der Alten Donau ab, neben einer Würstelbude, in der Hoffnung, dass ich mir dort nach meinem Lauf ein kaltes Getränk und/oder eine Kleinigkeit zum Essen gönnen kann. Von hier aus ging es (gegen den Uhrzeigersinn) zuerst um das Donaufeld herum bis zur Wagramer Straße, welcher bis zur Stadtgrenze zu folgen war. Dieser Abschnitt war vieles, aber schön war er nicht. Von der Alten Donau zur Wagramer Straße läuft man halt großteils durch eine Betonwüste und die Wagramer Straße ist – und das war keine große Überraschung – auch nicht unbedingt ein Lauf-Eldorado – vor allem geht es ab der Kreuzung mit dem Rautenweg bzw. der Julius-Ficker-Straße (hihi…ich weiß, kindisch, aber da muss ich immer zumindest schmunzeln) ohne Gehsteig entlang dieser stark befahrenen Straße dahin. Zumindest ist das Bankett dort breit und gut belaufbar, insofern fühlte ich mich durch die Autos (anders als entlang der Amundsenstraße eine Woche davor) nicht wirklich bedroht.

Von der Alten Donau zur Wagramer Straße.

Dann folgte ein Szenenwechsel – es ging nun auf einer Schotterstraße vorbei an Kleingartensiedlungen und dann weiter an Gerasdorf und Stammersdorf vorbei, über den Marchfeldkanal drüber und bis zur Grenze zwischen Wien und dem Gerasdorfer Stadtteil Föhrenhain. Nach Stammersdorf wurde es sehr schnell sehr ländlich, keine Spur mehr von Großstadtfeeling.

Direkt neben der Wagramer Straße hört Wien auf eine Großstadt zu sein.

Das Terrain wurde nun auch welliger und ich erreichte schließlich den Bisamberg. Zwischen Weingärten hindurch führend hatte die Strecke nun schöne Ausblicke zu bieten und – wie vorher erwähnt – ich durfte recht bald schattige Waldwege genießen. Hier wurde es nun abschnittsweise sehr steil und teilweise auch unlaufbar – dennoch war dieser Teil der gesamten Runde jener, der am meisten Spaß gemacht hat. Oben angelangt war mir erneut ein herrlicher Blick über Wien vergönnt, danach musste ich aber den Weg Richtung Strebersdorf und weiter zur Donau antreten. Runter ging es über recht steile asphaltierte Straßen – dort zu laufen war teilweise richtiggehend unangenehm und letztlich war ich froh, unten angekommen zu sein.

Weg zum Bisamberg, durch Weingärten, durch den Wald, Ausblick vom „Gipfel“.

Danach musste ich einen Weg zur Donau finden und ein wenig improvisieren, weil meine Route nicht wie geplant funktionierte – dazu später mehr. Entlang der Donau ging es nun weiter bis zur Höhe der Innstraße, dann über die Brigittenauerbrücke am Donaupark vorbei zurück zur Alten Donau, über den Birnersteg an deren anderes Ufer und zurück zu meinem Startpunkt.

Marchfeldkanal und Donau so blau, so schön und blau.

Das war zunächst mal eine nüchterne Streckenbeschreibung (quasi die cold hard facts) inklusive der paar Fotos, die ich während des Laufes gemacht habe. Zusammenfassend kann ich berichten, dass hinsichtlich der Attraktivität der Strecke aus Läufersicht der Abschnitt zwischen Alter Donau und der Stadtgrenze relativ verzichtbar war. Die Strecke entlang der Stadtgrenze bis zum Ende der Passage am Bisamberg war kurzweilig und hat großteils Spaß gemacht. Der Weg von hier zur Donau war wiederum kein Highlight. Entlang der Donau ist nichts Spektakuläres passiert, aber dass man hier gut laufen kann, ist nicht wirklich ein Geheimnis. Der letzte Abschnitt zwischen Donau und der Alten Donau war aus anderen Gründen ein Desaster.

Es hat also auch ein wenig Drama stattgefunden – der Titel dieses Eintrag suggeriert das ja bereits. Und um dieses Revue passieren zu lassen bzw. auch nachvollziehbar begründen zu können, muss ich ein wenig ausholen. In dieser Hinsicht beginnt die Floridsdorf-Umrundung nämlich bereits eine Woche früher…wenn man es genau nimmt, wahrscheinlich sogar schon mehrere Wochen früher. In den letzten Wochen war ich hinsichtlich Dehnen, Yoga und Krafttraining relativ schleißig – ich habe so gut wie nichts gemacht außer Laufen und Radfahren. Und ich habe ja schon mehrfach gejammert wegen meiner Leistenbeschwerden, die meiner Meinung nach vom unteren Rücken herrühren und dass eben Dehnen, Yoga und Krafttraining – sofern konsequent eingebaut und durchgezogen – hilft. Und dann ist vor einer Woche der Sturz aufs rechte Knie passiert, das danach ordentlich aufgeschürft und geprellt war, weswegen ich auch letzte Woche zu unbeweglich war, um zu dehnen oder mich in irgendwelche Yoga-Positionen zu hieven. Darüber hinaus waren auch meine beiden großen Zehen noch immer ein wenig angeschlagen und beide Zehennägel durch Blasen „unterfüttert“. All das war mir klar vor dem Weglaufen, aber ich habe es halt trotzdem probiert. Das Positive zuerst: Die Zehennägel haben zwar aus den Blasen heraus „gesaftelt“ (ich füge lieber keine Fotos davon hinzu), aber abgesehen davon keine Probleme gemacht. Die Wunde am Knie hat mich ebenfalls nicht behindert. Allerdings war es leider so, dass ich bereits nach weniger als 15 km schon deutlich mit Leistenbeschwerden zu kämpfen hatte und an diesem Tag auch mit Knieschmerzen – einerseits wegen der Prellung rechts, andererseits strahlen die Rückenprobleme auch hierhin immer wieder mal gerne aus. Vor allem beim Weglaufen, z.B. nach einer Trinkpause, brauchte ich einige Schritte, bis aus Humpeln Laufen wurde. Und das verschlimmerte sich mit Fortdauer des Laufes leider mehr und mehr. Ab km 32 oder so war der Schmerz dann nicht mehr nur beim Weglaufen präsent, sondern die ganze Zeit über. Das alleine hat natürlich nicht gereicht – exakt, auf die Sekunde genau, als meine Uhr mir mitteilte, dass ich 30 km geschafft hatte, spürte ich plötzlich auf beiden Fußsohlen einen stechenden Schmerz. Aufgrund der kontinuierlichen Schwitzerei bildeten sich auf beiden Fußsohlen Blasen und just zu diesem Zeitpunkt haben sie sich gemeinsam bemerkbar gemacht. Dh die letzten 5 bis 6 Kilometer waren ein schreckliches Trauerspiel und weil ich nun ohnehin nur mehr sehr langsam dahinhumpelte, war der Drang schon sehr groß, die Runde einfach zu Ende zu gehen. Nachdem das dann aber noch länger gedauert hätte, habe ich das Humpeln einfach beibehalten. Erst auf der Schlussgeraden konnte ich eine Kombination aus Körperhaltung und Laufstil finden, die mir zumindest Joggen ermöglichte.

Passend zum erbarmungswürdigen Ende meines Laufes hat natürlich auch die Würstelbude wenige Momente vor meinem Finish zugesperrt. Als ich angekommen bin, konnte ich gerade noch sehen, wie der Betreiber davongestapft ist. Es sollte einfach nicht sein an diesem Tag.

Der Anblick des Grauens, als ich meine Runde endlich zu Ende brachte.

Und nun zur Streckengenauigkeit: Von der Alten Donau bis zum letzten Aussichtspunkt am Bisamberg konnte ich durchwegs ziemlich genau auf oder knapp neben der Grenze laufen. Auf dem folgenden Bergabstück verläuft die Grenze teilweise über eine Wiese, welche zwar belaufbar gewesen wäre, allerdings ist die Wiese aktuell kniehoch bewachsen und auch aufgrund meiner immer noch nicht verheilten Verletzung am Knie bin ich an dieser Stelle lieber auf der – keine Ahnung – vielleicht 20 bis 50 Meter entfernten Straße gelaufen. Ein Stückerl weiter unten durchquert die Grenze Weingärten und private Grundstücke. Möglicherweise kann man hier einen Weg finden, um diese Passage näher an der Grenze zu bewältigen, aber ich bin lieber außen herum gelaufen. Das waren jetzt die Abweichungskleinigkeiten. Nun zu den großen Schwierigkeiten ein paar Minuten später, die in Strebersdorf begonnen haben. Vor der Nordbahnstrecke (welche von der Floridsdorfer Bezirksgrenze gekreuzt wird) stehend wurde mir nämlich leider schnell klar, dass meine geplante Route am nun folgenden Abschnitt zum Scheitern verurteilt war. Die Schienen zu überqueren war nämlich keine Option und aufgrund deren Einfassung mit Lärmschutzwänden auch gar nicht möglich. Meine Route meinte nun, dass es unmittelbar neben der Bahnstrecke einen Weg gibt, der mich recht bald wieder zur Grenze bringen würde. In der Realität war es aber so, dass ich mich durch dichtes Gestrüpp entlang der Bahnstrecke kämpfen hätte müssen, worauf ich gar keine Lust hatte. Also bin ich weitergelaufen zur Schnellbahnstation Strebersdorf, um die dortige Unterführung zu nutzen. Allerdings stand ich nun vor einem ziemlich großen Industriegebiet. Ob ich auf den diversen Betriebsflächen unterwegs sein hätte dürfen, weiß ich nicht, aber Google Streetview und die Strava Heatmap haben zu diesem Zeitpunkt – ich habe einige Minuten an dieser Stelle stehend recherchiert – nicht unbedingt meinen Optimismus genährt, dass ich irgendwo ein Durchkommen finden würde. Und aufgrund meiner zu diesem Zeitpunkt schon recht präsenten körperlichen Beschwerden (siehe oben) war meine Motivation, es einfach zu probieren und vielleicht ein paar Kilometer völlig umsonst hin un her zu laufen, minimal, quasi Null. Insofern bin ich zähneknirschend außen herumgelaufen und habe ein gar nicht so kleines Eck ausgelassen. Realistischerweise muss man aber anmerken, dass ich den größten Teil der Grenze auf diesem Abschnitt ohnehin nicht erreicht hätte und ein Kompromiss alternativlos war, aber geärgert hat es mich in diesem Moment trotzdem. So, und dann ging es planmäßig weiter zur Donau und ich stand vor der letzten großen Entscheidung. Theoretisch verläuft die Grenze nämlich auf der stadtwärts gelegenen Seite der Donauinsel, dh um dorthin zu gelangen, hätte ich auf der Floridsdorfer Seite der Donau bis zur nächsten Brücke folgen, diese überqueren und auf der Donauinsel zurück zu jener Stelle laufen müssen, an der die Stadtgrenze verläuft und hätte erst dann meinen Lauf in Richtung Südosten fortsetzen können. Als ich diese Entscheidung treffen musste, waren meine Schmerzen zwar gegenwärtig aber noch erträglich und von den Blasen auf den Füßen wusste ich noch gar nichts, insofern war ich schon im Wiglwagl, habe mich dann aber gegen die lange Variante und für die Abkürzung entschieden. Und gut war’s, weil die Tortur am Ende hat mir auch so gereicht und mein Bedarf, diese um 3 oder 4 oder noch mehr Kilometer zu verlängern, nur um die Bezirksgrenze auf einem relativ kurzen Abschnitt ein wenig genauer zu erwischen, war nicht vorhanden. Danach verlief mein Lauf wieder planmäßig bis zum Ende. Im Endeffekt bin ich zufrieden, an der Stelle beim Industriegebiet wäre es vielleicht sinnvoll gewesen, die Strecke vorher mit dem Rad auszukundschaften, aber ich bereue nicht, dass ich mich im Moment entschieden habe wie ich mich eben entschieden habe. Und das Stück an der Donau – jo mei, Abkürzung im eigentlichen Sinn war es keine, ich habe die Donau halt ein wenig später überquert. Das bereitet mir jetzt auch keine schlaflosen Nächte. Nachfolgend der Vergleich meiner Route mit der exakten Bezirksgrenze – die beiden Problemstellen sind eh gut erkennbar.

Exakte Grenze von Floridsdorf (in Rot) und mein GPS-Track (in Blau).

Fehlt also nur noch ein Kommentar zu meiner sportlichen Leistung – naja, mittel würde ich sagen. Für die 35,53 Kilometer habe ich eine Laufzeit von 3:52:57 Stunden benötigt. Mittendrin hat mich der Bisamberg gebremst – Gehpassagen waren dieses Mal nur wenige dabei, aber auf jenem ungefähr 8 Kilometer langen Teil meiner Route, der mich auf den Bisamberg geführt und dann wieder von diesem runtergebracht hat, war ich dennoch deutlich langsamer unterwegs als im Flachen davor und danach. Bei der Donau angekommen, dachte ich eigentlich, dass ich diesen Lauf nun relativ flott zu Ende bringen können würde, aber die Wehwehchen, die sich dann nach und nach durchsetzten, waren so etwas wie der endgültige Sargnagel für jeglichen läuferischen Elan. Drei Tage später sind die Schmerzen weitgehend abgeklungen und ich bin wieder motiviert, die Laufschuhe zu schnüren, vielleicht schon bald auch wieder im Rahmen einer Bezirksumrundung – Liesing oder Penzing, Liesing oder Penzing? Ich weiß es noch nicht. Bis dahin räume ich meiner persönlichen körperlichen Dreifaltigkeit des schmerzfreien Laufens – Dehnen! Yoga! Krafttraining! – höchste Priorität ein.

Namasté!

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