Laufreviere, Teil 1: Perth, WA

Die verschiedenen Phasen meines Lebens waren – wie das halt meistens so ist – geprägt von den verschiedenen Orten, an denen ich während dieser Phasen gelebt oder zumindest viel Zeit verbracht habe. Durchs Laufen werden einem oftmals anders gar nicht zugängliche Blickwinkel auf geografische Gegebenheiten und Eigenheiten gewährt, weswegen es durchaus interessant sein könnte, genau diese hinsichtlich der Gegenden, die ich während meiner Lebensphasen kennenlernen durfte, zu erörtern. Hoffe ich zumindest. In den nächsten Wochen (bzw. vielleicht auch Monaten) wird es eine Reihe von Einträgen geben, in denen ich „meine“ Laufreviere vorstellen werde. Beginnen möchte ich mit Perth (in Westaustralien, nicht Schottland), wo ich, wie eh schon mehrfach thematisiert, von September 2009 bis August 2011 gelebt habe.

Nach der ersten Eingewöhnung in die neue Umgebung und ganz generell in unser neues Leben dauerte es ein paar Wochen, bis ich zum ersten Mal die Laufschuhe geschnürt habe. Danach war ich aber relativ regelmäßig unterwegs, sofern ich durch meine damals recht lästigen Knieprobleme nicht beeinträchtigt war. Letztlich haben meine Läufe mehrheitlich in den Suburbs Claremont, Swanbourne, Cottesloe, Nedlands, Crawley, Subiaco, North Fremantle, Mosman Park, Dalkeith, Peppermint Grove, Daglish, Shenton Park, Karrakatta und dem King’s Park stattgefunden. Nachfolgend eine Karte mit dem dadurch ungefähr eingeschlossenen Gebiet.

Mein Perther Laufrevier (so ungefähr halt).

Im Wesentlichen könnte man meine Lauferei in Perth aber auf drei grundlegende Routen beschränken (die mich durch die genannten Suburbs geführt haben):

(1) Von der Arbeit heim über den King’s Park. Das war ein etwa 13 bis 14 Kilometer langer Lauf, eben durch den King’s Park führend, inklusive knackigem Anstieg durch den Park, der zu insgesamt deutlich mehr als 100 Höhenmeter pro Lauf geführt hat.

(2) Von der Arbeit heim den Swan River entlang. Kürzer (etwa 8,5 Kilometer lang), weniger hügelig (ungefähr 50 Höhenmeter).

(3) Von daheim aus zum Strand und zurück. Meine Standardrunde, knapp 11 km lang, gespickt mit ungefähr 100 Höhenmeter, es gab aber auch einige (großteils längere) Varianten davon.

Ich kann mich auch noch an ein paar andere Routen erinnern, aber das waren großteils einmalige Versuche – die drei genannten Laufstrecken (plus die erwähnten Variationen) haben sich eben angeboten. Und so Dinge wie Strava Heatmaps, Wandrer, Citystrides usw., die meine Motivation, mich woanders ebenfalls umzusehen, möglicherweise erhöht hätten, gab es damals noch nicht. Besonders interessant war Perth als Laufgebiet eigentlich nicht – in meiner Reichweite gab es eben den King’s Park und die Strandpromenade als interessante (Zwischen-) Ziele, ansonsten kilometerlange Siedlungsgebiete (fad) und/oder große Straßenzüge (fad und potentiell gefährlich). Ein paar Mal bin ich mit dem Auto zu irgendwelchen Parks gefahren, aber die waren dann im Endeffekt die Anreise auch nicht wert. Im Zuge der Erstellung dieses Eintrags habe ich mich ein wenig mit dem Routenplaner von Strava herumgespielt, um zu prüfen, ob es damals keine anderen Routen gegeben hätte (weil ich war wirklich fast immer auf den selben drei Strecken unterwegs). Und das hat mir das Hauptproblem von Perth wieder in Erinnerung gerufen (zumindest habe ich das damals als Problem wahrgenommen): die für europäische Verhältnisse unglaubliche Weitläufigkeit. Perth hat ja in etwa so viele Einwohner wie Wien, ist aber ungefähr fünfzehn Mal so groß! Ich habe jetzt ein paar Routen rausgesucht, die ich aus heutiger Sicher interessant finden würde…so gut wie keine davon ist kürzer als 20 Kilometer, viele deutlich über 30 oder sogar 40 Kilometer. Dafür war ich damals sicher nicht fit genug, weswegen ich es nicht gewagt habe, neue Wege zu beschreiten.

Bemerkenswert waren aber definitiv meine Läufe die Strandpromenade von Cottesloe entlang. Anfangs dachte ich ja: na gut, ein paar Mal wird mich das reizen, aber irgendwann wird das auch fad. Nix da. Ich habe irgendwann mal gezählt. In den zwei Jahren waren es, wenn mich meine Erinnerung nicht täuscht, um die 100 Läufe, die ich auf diesem Abschnitt absolviert habe, meistens bei Sonnenuntergang inklusive in kitschigen Farben leuchtendem Ozean. Manchmal sind dabei, um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, auch noch Delphine in Strandnähe aufgetaucht. Fad war das kein einziges Mal, im Gegenteil.

Es gibt wahrlich schlimmere Anblicke als ein Sonnenuntergang am Cottesloe Beach…

Statistiken kann ich leider keine anbieten. Ich habe damals zwar bereits sämtliche Läufe via Garmin mitgetrackt, aber im Zuge der diversen Import-, Export- und Konvertierungsvorgänge, welche die zugrundeliegenden Daten im Laufe der Jahre über sich ergehen lassen mussten, sind die Daten, warum auch immer, zu einem großen Teil (mindestens 50%, eher mehr) verschwunden. Keine Ahnung, wieso. Möglicherweise habe ich mir irgendwann mal „wurscht, weg damit“ gedacht. Prinzipiell ist das ja eh egal, aber ein wenig wurmt es mich schon, weil so eine Heatmap für meine Zeit in Perth würde mich jetzt schon sehr interessieren. Egal, kann man nicht mehr ändern.

Ansonsten bieten neben den geografischen auch die klimatischen Gegebenheiten in Perth einigen Gesprächsstoff. Im Nachhinein denke ich mir, dass dort die Bedingungen zwischen April und November fürs Laufen eigentlich ideal waren – und wahrscheinlich immer noch sind. Wirklich kalt wird es im westaustralischen Winter (tagsüber) nicht. An den allermeisten Tagen kann man die lange Hose also getrost im Kasten lassen, zumindest wenn man bei Tageslicht läuft. Insofern finde ich es echt schade, dass ich damals über längere Zeiträume hinweg aufgrund von Knieproblemen zu Laufpausen gezwungen war und somit die eigentlich perfekten Trainingsbedingungen nicht wirklich auskosten konnte. Ab Dezember war und ist es in Perth bis in den März hinein normalerweise warm bis (sehr) heiß. Vor allem der erste Sommer, den wir in Perth verbrachten, war extrem. Den ganzen Sommer über gab es quasi keine Abkühlung und es hatte jeden Tag deutlich über 30 Grad Celsius, oft über 35 Grad, manchmal über 40 Grad. Ich kann mich an einige Läufe erinnern, zu denen ich – um der extremen Hitze irgendwie zu entgehen – eh erst am frühen Abend aufgebrochen bin. Es hatte trotzdem um die 38 Grad und an normales Laufen war an solchen Tagen eigentlich nicht zu denken. Man schlurft halt so vor sich hin und fragt sich, warum man das eigentlich macht.

Alles in allem habe ich das Laufen in Perth aber sehr genossen und ich denke auch heute noch gerne an meine Läufe am Strand zurück.

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