Bushwire-Flashback: If you go to Australia, don’t forget your Schal

(Ursprünglich veröffentlicht am 24.9.2009)

Die ersten Hürden auf dem Weg in den australischen Alltag sind überwunden. Wir haben in der letzten Woche ein Konto eröffnet, zahlreiche Telefonate geführt (IKEA, Whirlpool, Bank, Autovermietungen, Strom- und Gaslieferanten) und wir haben unseren ersten Arztbesuch hinter uns gebracht. Und überall bietet sich einem dasselbe Bild: Die Aussies sind wahnsinnig freundlich! Sie entschuldigen sich ständig, sei es auf der Straße (wenn sich die Wege kreuzen) oder im Supermarkt (wenn es aufgrund der hohen Kundendichte eng und hektisch wird). Auch wenn es dafür keinen ersichtlichen Grund gibt, zum Beispiel wenn sie selbst angerempelt werden. Eine ganz unerwartete Quelle herzerfrischender Freundlichkeit war letzte Woche ein Busfahrer – eine Spezies, die sich in Wien in erster Linie durch kaum zu überbietende Menschenverachtung auszeichnet. Nach einer Wohnungsbesichtigung sind wir orientierungslos herumgeirrt – wir waren dem Rande der Verzweiflung bedrohlich nahe – als aus dem Nichts der rettende Bus auftauchte. Obwohl an dieser Stelle keine Station war, hat er extra für uns angehalten (der Busfahrer hat wohl unsere hilfesuchenden Blicke bemerkt). Danke, lieber Busfahrer! Apropos Bus: wenn der Australier in den Bus einsteigt, begrüßt er den Busfahrer (welcher natürlich ebenfalls jeden Fahrgast grüßt), und wenn er wieder aussteigt, bedankt er sich artig fürs Mitnehmen. Das alles kommt uns ein bissl skurril vor, sind wir doch die Charmeure der Wiener Linien und die demonstrativ zur Schau gestellte Grantigkeit des Durchschnitts-Öffi-Benutzers gewohnt.

Allerdings gibt es keine Medaille ohne Kehrseite…einerseits andererseits quasi. Trotz der ganzen Freundlichkeit und den „no worries“ und den hunderten „sorries“ gibt es eine Sache, die furchtbar nervt: Für Flexibilität bei der Bewältigung von Konflikten oder Diskutieren dürfte in der australischen Gesellschaft kein Platz sein. Ein Paradebeispiel dafür ist Tracey, die Dame, die uns die Schlüssel für unsere Wohnung übergeben hat. Bei der Besichtigung haben wir die Maklerin (Emma, nicht Tracey) gefragt, wie das denn mit dem Einschlagen von Nägeln oder der Befestigung von Regalen mittels Schrauben ist. Emma hat geantwortet, dass das australische Mietrecht zwar vorsieht, dass derartige Veränderungen grundsätzlich verboten sind, allerdings könne man das ja mit den Vermietern abklären und eine für beide Seiten akzeptable Lösung finden. Naiverweise sind wir drei Tage später zur Mietvertragsunterzeichnung marschiert und haben angenommen, dass jetzt der richtige Zeitpunkt wäre, um diesen Punkt zu klären. So kann man sich täuschen. Anstatt auf unsere Einwände und Fragen einzugehen, hat sich Tracey auf ihr auswendig gelerntes und mit krampfhaftem Lächeln wieder und wieder und wieder vorgetragenes Satzerl versteift, dass das keinesfalls möglich wäre…unterschrieben haben wir natürlich trotzdem. Als Österreicher ist man ja einigermaßen bürokratiegeplagt, trotzdem haben wir den Eindruck, dass es daheim ein wenig flexibler und kulanter zugeht, á la „passt scho“ oder „des moch ma scho“.

Das wichtigste Ereignis der vergangenen Woche war allerdings ganz klar der Einzug in unsere neue Wohnung. Nach dem Umzug aus dem vierzehnten Bezirk nach Groß-Enzersdorf im letzten Jahr und der Verfrachtung unserer ganzen Habseligkeiten aus Groß-Enzersdorf nach Gnadendorf sind wir ja mittlerweile einigermaßen umzugsstressresistent. Trotzdem ist es hektischer und nervenaufreibender abgelaufen als erwartet. Stressfaktor 1: Nachdem wir aufgrund eines Missverständnisses der Dame vom IKEA-Lieferdienst die falsche Telefonnummer gegeben haben, konnten wir nicht rechtzeitig informiert werden, dass unsere Möbel bereits am Montag um 7:00 Uhr in der Früh vor unserer Wohnungstür stehen werden. Konsequenz: die Möbel wurden wieder mitgenommen und uns wurde eine „Strafe“ von 40 Dollar aufgebrummt. Stressfaktor 2: Am Dienstag sind unsere Möbel dann tatsächlich eingetroffen (und konnten auch IN die Wohnung getragen werden), allerdings wurde unsere Matratze irrtümlich in den falschen LKW geladen, weswegen nach langem Hin- und Hertelefonieren vereinbart wurde, dass die Matratze verlässlich am Mittwoch geliefert wird. Stressfaktor 3: Wir mussten recht bald erkennen, dass es in der Küche nach Gas riecht. Eher beunruhigend. Der von der Immobilienfirma organisierte Installateur hat dann festgestellt, dass der Dunstabzug Luft aus einer außenliegenden Wandöffnung ansaugt, in dem auch die Gasanschlüsse untergebracht sind. Juhu, genau so soll es sein! Wenigstens schweben wir in unserer Wohnung nicht in Lebensgefahr aufgrund einer undichten Gasleitung – was bleibt, ist der Geruch. Dieses Problem soll aber in den nächsten Tagen behoben werden. Stressfaktor 4: Nachdem unsere Matratze am Mittwoch wie versprochen geliefert wurde, sind wir am Abend erneut zum IKEA gefahren, um Bettwäsche, Pölster und Decken zu kaufen. Guter Plan. Eigentlich. Jeden Tag bis 21:00 Uhr geöffnet haben nämlich die IKEAs in Österreich, nicht aber in Australien (zumindest nicht in Perth). Die Konsequenz war eine eher ungemütliche Nacht.

Am Donnerstag war dann auch dieses Manko behoben, wodurch wir entspannt und mit Vorfreude einer warmen und kuscheligen Nacht entgegenblicken konnten. Ende gut, alles gut.

Comments

No comments yet. Why don’t you start the discussion?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert